Die frühe Weinlese des Jahrgangs 2017
© Château Leoube

Die frühe Weinlese des Jahrgangs 2017

Bis jetzt hatte die Saison 2017 in den Weinbauregionen in ganz Europa ihre Hoch-und Tiefpunkte. Ende April sahen sich viele der bekanntesten Appellationen des Kontinents bitterem Frost ausgesetzt, gefolgt von einigen Hagelstürmen, die junge Triebe und Knospen schädigten. Und nun, nach einem heißen und trockenen Sommer, ist bereits die Zeit der Weinlese gekommen…mindestens zwei Wochen zu früh. Ob man dem Klimawandel die Schuld gibt, oder einfach die Launen von Mutter Natur dafür verantwortlich macht, eins ist sicher: 2017 gilt Qualität über Quantität für viele Weingüter in Frankreich, Deutschland oder Italien.

Extremes Wetter reduziert den Ertrag

Weinlese 2017

© Castello di Ama

Überall in Europa wird die Reifesaison 2017 für ihre extremen Wetterbedingungen im Frühling und die damit einhergehende Abnahme der Ernte in Erinnerung bleiben. In den frühen Morgenstunden des 27. Aprils traf schädigender Frost von -2°C bis -4°C die Reben in Bordeaux, folgend auf einen bereits sehr kalten Morgen am Tag davor. Das extreme Wetter richtete verheerenden Schaden bei den jungen Trieben und den Knospen an, die bereits während der milden Tage des März zutage traten. Auch wenn viele Weingüter versuchten, den Schaden so gering wie möglich zu halten, indem sie brennende Ölfässer zwischen den Rebreihen positionierten und mit gigantischen Fächern warme Luft auf die Reben bliesen, so ist in vielen Fällen die Bemühung, sich gegen die Natur zu wehren, zwecklos. Quellen besagen, dass die Weinindustrie von Bordeaux dieses Jahr einen Ernteverlust von 40% erleiden wird, einige Weingüter – in der Appellation Saint-Émilion zum Beispiel – sogar Verluste von 80%.

Der Frost traf auch das nordöstliche Elsass, die Champagne und das Loire-Tal hart, während Burgund unter starkem Hagel litt. Das französische Landwirtschaftsministerium schätzt die diesjährige Produktion auf 37,2 Millionen Hektoliter, was 18% weniger als 2016 ist und 17% weniger als die Durchschnittsproduktion der letzten fünf Jahre. Frankreich steht seiner geringsten Produktion seit 1945 gegenüber.

Auch der Rest Europas litt unter dem harschen Klima des Frühlings 2017. Strenger Frost brachte auch den Weinbergen in Nordspanien schlimme Verwüstungen – inklusive Rioja, Bierzo, Ribera del Duero und Galicia. In Italien brachte ein gewaltiger Sturm am 15. April schweren Hagel in die Langhe in der Region von Piemont, während in der letzten Woche des Aprils Frost die Knospen der tiefgelegenen Weinberge von Barolo, Barbaresco, Alba und Langhe schädigte. Der Verlust belief sich etwa auf 20%. In der relativ neuen Weinbauregion im Süden Englands führten die unter null liegenden Temperaturen zu einem Verlust von etwa 50% der Ernte. Während eine geringere Quantität nicht unbedingt die Qualität der Trauben beeinflusst, so setzt es dennoch die Winzer unter Druck, so  viele Trauben wie möglich zu retten: es macht den Unterschied zwischen einem Jahrgang 2017 und einem leeren Kapitel in der Geschichte eines Betriebs.

Frühe Weinlese

Weinlese 2017

Domaine Comte Abbatucci © Claude Cruells

Nach einem eher schädigenden Frühling folgte ein Sommer, der sich durch hohe Temperaturen charakterisierte, was eine der frühesten Weinlesen brachte, die einige Regionen jemals gesehen haben. Fast in ganz Frankreich ist das festgelegte Datum der Weinlese 15 Tage früher als erwartet. Dies bedeutet Ende Juli für die Weingüter in den östlichen Pyrenäen und der erste Mittwoch des Augusts für das Département Var in der Provence, beispielsweise. Die früheste Weinlese, die diese Regionen in letzter Zeit gesehen haben, war der 15. August im Jahr 1991. In der Champagne begann die Weinlese in Montgueux im Département Aube am 26. August, was in die Top 5 der frühesten Weinlesen in der Geschichte der Appellation eingeht. Die Lese im Elsass begann sogar noch früher, am 24. August für die Cremants und am 30. August für die stillen Weine. Das Phänomen der frühen Weinlese scheint das Ergebnis einer Kombination aus klimatischen Faktoren, inklusive milder Temperaturen im Frühling, Frost und Hagel im April und Mai und sehr trockenes und heißes Wetter während des Sommers, was die Reife der Trauben beschleunigt, sie jedoch gleichzeitig kleiner macht. Als die Weingüter ihre Beeren optimal gereift sahen, beeilten sie sich mit der Lese, so auch das Château Chantegrive in der Appellation Graves in Bordeaux am 23. August oder die Domaine Abbatucci auf Korsika am 14. August. Die sonnigsten Partien des 19 Hektar großen Weinbergs von Jean-Charles Abbatucci waren nicht weit davon entfernt zu verbrennen.

Weinlese 2017

© Adobe Stock

In den von Hitze getroffenen Weinbergen Italiens ist es sogar noch schlimmer bestellt. Die prestigeträchtige Appellation Barolo im Piemont ist für ihren spätreifenden Nebbiolo berühmt. Nun wird selbst diese Rebsorte bereits im September geerntet, wohingegen ihre eigentliche Lesezeit im Nebel des Novembers, nach dem sie benannt wurde, angesetzt ist. Italien wurde im Sommer 2017 stark von dem Hitzehoch Luzifer getroffen, das den Trauben eine frühe Reife und den Beginn der Weinlese im Piemont (die Weinlese der weißen Trauben begann im Juli) und in Franciacorta (offizieller Beginn war am 3. August) brachte.

In Deutschland begann die Weinlese der frühreifen Rebsorten Mitte August, was zwar nicht ungewöhnlich ist, der Beginn der Hauptlesezeit jedoch folgte bereits in der daraufkommenden Woche, die Lese des Rieslings beispielsweise, die normalerweise erst Ende September erfolgt. Dieses Jahr ist die Pfalz die erste Weinbauregion, die die Weinlese beginnt, in dem Dorf Duttweiler, das zu Neustadt an der Weinstraße gehört.

Qualität über Quantität

Weinlese 2017

© Louis Latour

Auch wenn der Ertrag generell kleiner ausfällt als gewöhnlich, so bedeutet dies nicht, dass man bei der Qualität der Trauben einbüßen musste. Auch wenn sie früher als sonst ihre perfekte Reife erreicht haben und gleichzeitig ein wenig kleiner ausfallen, so sind die Trauben dennoch kraftvoll und hoch konzentriert. Sie haben den Säuregehalt erreicht, der benötigt wird für Weine mit einem guten Lagerpotenzial. Aufgrund der frühen Reife und Weinlese der Beeren, konnten sie Krankheiten vermeiden, die üblicherweise auftreten. In Europa ist man sich einig, dass die Devise des Jahrgangs 2017 eindeutig „Qualität über Quantität“ lautet.

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Über Darja Slobin

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