Etiketten im südlichen Rhône-Tal – die Region der Gegensätze

Etiketten im südlichen Rhône-Tal – die Region der Gegensätze

Das südliche Rhône-Tal ist ein Mosaik aus Appellationen und Weinstilen, hier noch den Durchblick zu behalten kann sich als schwierig herausstellen. Unser neuer Teil der Etikettenkunde soll dabei helfen.

Côtes du Rhône

Wie auch im nördlichen Rhône-Tal gibt es hier die übergeordnete Appellation Côtes du Rhône, die einerseits sehr unterschiedliche Stile produziert, jedoch immer auf der Rebsorte Grenache basiert. Die Weine sind die vermeintlich einfachsten aus dem südlichen Rhône-Tal, daher sollten sie in den ersten Jahren genossen werden. Dabei kann aber ein Côtes du Rhône auch aus verschiedenen Appellationen wie etwa Gigondas und Châteauneuf du Pape bestehen.

Côtes du Rhône Villages

Die Appellation Côtes du Rhône Villages teilt sich in zwei Kategorien ein. Einerseits gibt es die klassische Côtes du Rhône Villages Appellation, welche 95 Weinbaugemeinden, im Herz des südlichen Rhône-Tals umfasst. Von diesen 95 Gemeinden dürfen jedoch 17 Gemeinden zusätzlich den Namen angeben, aus denen der Wein stammt. Dieser Sonderstatus zeigt über einer außerordentliche Qualität der Weine, sowie das besondere Terroir der Gemeinde. Auch unter diesen gibt es wiederum qualitative Unterschiede wobei vor allem Plan de Dieu, Cairanne, Séguret und Sablet hervorzuheben sind. Es dürfen sowohl Rotweine als auch Rosé- und Weißweine produziert werden, jedoch liegt der Anteil der Rotweine bei über 95%.

Die großen Appellationen des südlichen Rhône-Tal

Châteauneuf du Pape

F736_2010NM_cDie Appellation Châteauneuf du Pape ist mit Sicherheit die bekannteste und prestigeträchtigste im südlichen Rhône-Tal. Hier sticht einem beim ersten Anblick die Flasche ins Gesicht, erst am zweiten Blick wahrscheinlich das Etikett, da auf der traditionellen Flasche die dreifache Papstkrone eingeprägt ist. Die Beziehung zum Papst kommt aus dem 14. Jahrhundert als es zusätzlich zu den römischen Päpsten auch mehrere französische Päpste, in Avignon, gab. Papst Johannes XXII lies damals die ersten Weinberge um den Ort anlegen und verlegte auch seine Sommerresidenz an den Ort. Dies prägt den Ort bis heute und war auch namensgebend für Châteauneuf du Pape. Es gibt sowohl Weiß- als auch Rotweine, jedoch überwiegen auch hier die Rotweine mit einem Anteil von etwa 90%. Diese werden meist auch den Rebsorten Grenache, Cinsault, Mourvedre und Syrah hergestellt, jedoch sind insgesamt 13 Rebsorten zugelassen, die zu jeglichen Anteilen in die Cuvée kommen können. Die Weißweine stammen vor allem aus den Rebsorten Clairette Blanche, Piquepoul Blanc, Marsanne und Rousanne. Die genaue Angebae findet man bei den meisten Weinen jedoch auch auf dem Rückenetikett. Es gibt auch zwei Produzenten, wie Château de Beaucastel und Clos des Papes, die alle 17 zugelassenen Rebsorten in ihren Châteauneuf’s verwenden. Die Weine sind besonders geprägt von ihrer Kraft und dichten Struktur. Die Appellation ist auch jene mit dem höchsten Mindestalkohol in Frankreich von 12,5%. Die Weine haben aber meist einen Alkoholgehalt von 14% und mehr. Auch ist die Appellation die als erste Frankreichs als AOC klassifiziert wurde, im Jahr 1936. Die Weine sind in den ersten Jahren meist sehr verschlossen und entwickeln danach dunkle Fruchtaromen, gepaart mit Gewürznoten und elegantem Tannin. Einen besonderen Stellenwert haben aber auch die Weißweine aus Châteauneuf du Pape, welche mit ihrer Kraft und Vielschichtigkeit einzigartig in der Region sind. Die Weine sind zu ihrem roten Pendant noch relativ unbekannt, jedoch haben einige Weingüter das Potenzial des Terroirs für Weißweine und erzeugen deshalb heute Weine die den Weißweinen des nördlichen Rhône-Tals auf Augenhöge begegnen und nun immer beliebter werden. Die Weine sind auch besonders Lagerfähig, wobei manche Gewächse erst nach 15 richtig ausreifen.

Gigondas

Gigondas könnte man als kleinen Bruder von Châteauneuf du Pape bezeichnen. Die Appellation liegt etwa 10km nord-östlich von Châteauneuf. Die Böden hier sind teilweise sehr karg und reichen einige Kalkstein-Hügel hinauf. Daher sind die Weine etwas eckiger und karger. Die Region bekam 1971 als erste Appellation nach Châteauneuf eine AOC Klassifizierung. Ein Unterschied ist jedoch, dass in Gigondas fast nur Rotwein produziert wird und nur eine kleine Menge Rosé produziert wird. Für die eleganten Rotweine werden vor allem die Rebsorten Grenache (max. 80%) und Syrah, Mourvedre (min. 20%) verwendet. Die Weine aus Gigondas sind typisch für das südliche Rhône-Tal sehr konzentriert und zeichnen sich bereits im Glas mit einer dunklen Farbe aus. In der Nase sind die Weine geprägt von Kirscharomen und reifen Früchten. Am Gaumen sind die Weine ebenso kräftig und gespickt mit reifen Aromen. Die Rotweine können sehr gut reifen und werden am besten nach etwa 10 Jahren genossen.

Vacqueyras

F625Die Appellation Vacqueyras liegt zwischen Gigondas und Châteauneuf du Pape und ist ebenso wie diese vor allem für ihre Rotweine bekannt. Die Rebfläche erstreckt sich über rund 1.400 Hektar und ist wie Gigondas besonders geprägt von den kalkhaltigen Ausläufern der Alpen. Die Weine aus Vacqueyras sind sehr mineralisch geprägt und in der Nase wunderbar fruchtig nach reifen Beerennoten. Hauptrebsorte ist auch hier der Grenache, der hier vom Mourvèdre und Syrah ergänzt wird. Diese eher unbekannten Weine sind sicher ein Geheimtipp im südlichen Rhône-Tal.

Tavel

Tavel war die erste AOC Appellation Frankreichs die ausschließlich Roséweine produziert und ist heute noch immer die einzige im südliche Rhône-Tal wo ausschließlich Roséweine produziert werden. Tavel wird hauptsächlich aus der Rebsorte Grenache hergestellt, wobei auch die anderen üblichen Rebsorten der südlichen Rhône in mit bis zu 15% zugelassen sind, wobei auch weiße Rebsorten wie Bourboulenc oder Clairette blanche hinzugefügt werden dürfen. Die Appellation umfasst knapp 1.000 Hektar, auf einem Terroir, das in der Talsohle sehr locker und sandig ist und sich das 250m hohe Tal hinauf immer karger darstellt. Die Appellation ist eine der klimatisch begünstigten Frankreichs und profitiert daher von rund 2.700 Sonnenstunden jährlich. Die Rosé’s sind zu jenen aus der Provence deutlich dunkler, mit einem fast schon Himbeerfarbenen Rot-Ton. Ein besonderes Merkmal ist auch hier die Flasche, welche immer das Signet von Tavel trägt.

Lirac

Die Appellation Lirac liegt am anderen Rhône-Ufer, zwischen Tavel und Châteauneuf du Pape. Hier werden Weine in allen drei Farben produziert. Die knapp über 700 Hektar sind jedoch hauptsächlich mit Grenache bepflanzt. Die tiefdunklen Rotweine sind hier besonders fruchtig und auch die Weißweine sind relativ fruchtig.

Weitere Appellationen

F1235Im südlichen Rhône-Tal gibt es mit Vinsobres, Rasteau und Beaumes de Venise noch drei weitere Appellationen die Rotweine, eher einfacherer Qualität produzieren. Die Appellationen Rasteau und Beaumes de Venise sind jedoch vor allem für ihre aufgespriteten Weine bekannt. Die Vin Doux Naturel (VDN) werden in Beaumes de Venise lediglich aus der Rebsorte Muscat hergestellt und sind deshalb besonders fruchtig und elegant. Die Vin Doux Naturel aus Rasteau werden hingegen aus der Rebsorte Grenache erzeugt und sind deshalb in den Farben Rot, Bernstein und Weiß möglich. Die VDN liegen bei einem Mindestalkoholgehalt von 15%Vol., da die Weine mit 95% Weinbrand aufgespritet wurden. Diese Weine sind etwas rustikaler und passen wunderbar zu verschiedenen Käsen.

Bio-Siegel

Ein weiteres Merkmal ist das EU-Bio Zertifikat, welches man hier auf außerordentlich vielen Weinen findet. Das Label zeigt, dass die Weine ohne Verwendung von chemischen Hilfsmitteln, sowohl im Weinberg als auch im Keller produziert wurden. Das liegt vor allem daran, dass die Region extrem trocken ist und es weniger zu Pilzinfektionen kommen kann. Die Winzer legen aber im Rhône-Tal generell hohen Stellenwert auf große Diversität, wodurch zwischen den Weinbergen immer wieder Zeilen mit Sträuchern bepflanzt sind.

Drei einzigartige Weine aus dem südlichen Rhône-Tal

Domaine de la Mordorée : La Dame Rousse 2015

F032_2015NM_cDer Tavel La Dame Rousse der Domaine de la Mordorée, ein Rosé, der in der Appellation Tavel produziert wird, geht aus einem Weinberg von einer Gesamtgröße von 9 Hektar hervor. Die Reben, die ein Durchschnittsalter von 40 Jahren haben, sind auf einem vielfältigen Terroir angepflanzt, das sich aus Böden aus rundem Kiesel, aus französischem Kalkschieferstein und Sandböden zusammensetzt. Der Tavel La Dame Rousse 2016 der Domaine de la Mordorée geht aus einer Assemblage von 60% Grenache, 10% Cinsault, 10% Syrah, 10% Mourvèdre, 5% Clairette und 5% Bourboulenc hervor.

Der Tavel La Dame Rousse 2016 der Domaine de la Mordorée präsentiert eine schöne rosa Robe mit bläulichen Lichtreflexionen. Die Nase entwickelt Aromen von rotem Beerenobst (Erdbeeren, Kirsche, rote Johannisbeere), Zitrusfrüchten (rosa Grapefruit) und gelben Früchten (Mandarine), zu denen zarte blumige Noten (alte Rosen) hinzukommen. Im Mund besitzt der Tavel La Dame Rousse 2016 Rundheit und große Frische.

 

La Dame Rousse 2015

Xavier : Gigondas 2015

 

F296_2015NM_cDie eine Hälfte des Xavier Gigondas reifte in Stahltanks, die andere in kleinen Eichenfässern. Die tolle Struktur wird begleitet von seidig aromatischer Kraft und würzigen, komplexen Aromen roter und dunkler Früchte wie frischen Kirschen, Pflaumen und Heidelbeeren, Oliven, Kräuter, Lavendel und Trüffel.

Seine dichte Tanninstruktur wird mit der Zeit eleganter werden. Typisch für einen Wein dieser Art – die großartige Länge – Trinkgenuss pur! Ein großartiger Wein von außerordentlicher Reife und toller Balance.

Gigondas 2015

Château de Beaucastel : Hommage à Jacques Perrin 2012

F485_2010NM_cDie Cuvée Hommage à Jacques Perrin 2012 besteht überwiegend aus Mourvèdre Reben (60%) und ist von außergewöhnlicher Konzentration. Dieser Jahrgang 2012 aus dem Weingut Château du Beaucastel besitzt zweifellos ein großes Lagerungspotenzial. In der Nase entfaltet er kräftige und volle Aromen schwarzer Früchte, Gewürze so wie ledrige Noten, die an Wild erinnern. Im Mund ist diese Cuvée eine reine Ode an die Mourvèdre Rebe: kräftiger Körper und mächtiges Volumen. Die edle Tanninstruktur ist von schöner Dichte und Persistenz. Ein vollmundiger, geradliniger Châteauneuf-du-Pape, der eine großartige Zukunft vor sich hat. Das Magazin The Wine Advocate empfiehlt ihn ab 2018 zu öffnen.

 

Hommage à Jacques Perrin 2012
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