Provence und Korsika – sonniger Süden und unbekannte Insel im Fokus

Provence und Korsika – sonniger Süden und unbekannte Insel im Fokus

Die Provence und Korsika sind zwei besondere Weinbaugebiete Frankreichs, die vor allem für ihre eleganten Sommerweine bekannt sind. Wir haben einen Blick in die beiden Regionen geworfen, um ihren Charme voll zu entdecken.

Geschichte

©Hervé Fabre

©Hervé Fabre

Die Provence ist eines der ältesten Weinbaugebiete Frankreichs, wo seit mindestens 600v. Christus Wein angebaut wird. Die Römer brachten damals den Wein in die Region und legten viele Weinberge an, wodurch heute noch oft von der „Wiege des französischen Weinbaus“ gesprochen wird. Im Mittelalter war es vor allem der Verdienst der unzähligen Klöster in der Region, den Weinbau weiter voranzutreiben. Leider kam auch hier, im 19. Jahrhundert die Reblaus, welche immense Schäden verursachte. Man erholte sich jedoch bald davon, sodass heute über 25.000 Hektar mit Reben bepflanzt sind.

©Claude-Cruells

©Claude-Cruells

In Korsika, begann der Weinbau ebenso im 6. Jahrhundert vor Christus, jedoch konnte sich dieser lange Zeit nicht durchsetzen. Der richtige Aufschwung kam erst im 14. Jahrhundert, da Familien, nach einem Erlass der Genueser je 20 Weinstöcke oder einen Olivenbaum anbauen mussten. Den Wein durften die Korsen jedoch ausschließlich nach Genua ausliefern. Erst nach dem Anschluss an Frankreich erfuhr der Weinbau in Korsika ein richtiges Hoch. Im Jahr 1873 war bereits für 75%! aller Korsen die Haupteinnahmequelle der Weinbau, die Ironie des Schicksals war jedoch, dass im selben Jahr die Reblaus nach Korsika kam und so mehr als 2/3 der Rebflächen sofort zerstörte. Bis in die 1960er Jahre litt Korsika darunter und die Rebfläche betrug nur noch 5.000 Hektar. Nach dem Algerienkrieg stieg die Rebfläche wieder in ungeahnte Höhen und betrug so im Jahr 1973 über 32.000 Hektar. Jedoch, war dieser nicht sehr nachhaltig geprägt und so stürzte er bis ins Jahr 2000 wieder auf etwa 5.000 Hektar ab.

Appellationen in der Provence

Côtes de Provence

Coussin-CesarSumeire-Rose_F924_Macro_2016_c_Wenn man einen Rosé aus der Provence kauft, dann stammt er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus der Côtes de Provence, oder einen der drei Unterappellationen. Die Weinbauregion erstreckt sich über knapp 100 Kilometer, an der Stadtgrenze von Marseille, über das Hinterland und einige Küstenabschnitte, bis kurz vor Cannes. Das Besondere dabei ist, dass die Weinberge bis an das Meer heranreichen, aber auch weit in das provenzalische Hinterland gehen und so verschiedenste klimatische Bedingungen vorherrschen. Die Weinberge am Meer sind dabei klimatisch eher begünstigt, als jene im Hinterland, da es hier extrem heiß und trocken im Sommer ist. Etwa 80% der hier erzeugten Weine sind Rosé’s. Die Appellation ist somit auch der größte Produzent von Roséweinen weltweit, da die Region rund 10% der Weine produziert. Seit dem Jahr 2005 gibt es auch drei Unterappellationen Côtes de Provence Sainte-Victoire, Côtes de Provence-Fréjus und Côtes de Provence-La Londe. Diese Appellationen kommen jedoch heute noch relativ selten zum Einsatz, sind jedoch geprägt von besonderer Qualität. Es sind insgesamt 13 Rebsorten zugelassen, die wichtigsten und bekanntesten davon sind: Grenache, Mourvèdre, Syrah, Cinsault und Carignan. Der Rosé muss aus mindestens zwei dieser Rebsorten, mit je mindestens 30% bestehen. Für die Rotweine sind die gleichen Rebsorten zugelassen. Bei Weißwein spielen Clairette Blanche, Rolle (Vermentino) und Ugni Blanc die Hauptrollen. Eine Besonderheit ist, dass die Rosés größtenteils nach der Saignée-Methode erzeugt werden. Dabei werden die Trauben, wie bei Rotwein, auf der Maische stehen gelassen, jedoch nach bereits wenigen Stunden abgepresst. Dadurch entsteht ein besonders vielschichtiges und kräftiges Aroma. Einzigartig ist meist auch die Flaschenform, da viele Weingüter auf Flaschen mit einer bauchigen Rundung setzen. Viele setzen auf diese Flaschen, um sich von anderen zu unterscheiden und das elegant-gelassene Leben der Region zu beschreiben. Es gibt auch eine Klassifikation, die jedoch relativ unbekannt und immer wieder umstritten ist, da sie etwas willkürlich die Weingüter auswählte. Diese Klassifikation umfasst 18 Weingüter, welche das Herzstück der Provence darstellen, und für sehr gute Qualität bekannt sind. Diese Klassifizierung wurde 1955 eingeführt, wobei sie auch einige der bekanntesten Weingüter, wie beispielsweise, Sainte-Roseline, Roubine, Sainte-Marguerite, Minuty, oder Clos Mireille, umfasst

Die Etiketten sind dabei meist sehr simpel und modern gehalten. Oft ist die Flasche auch nur mit einem Schriftzug graviert, da vor allem die Farbe der Weine im Vordergrund steht.

Bandol

Pibarnon-Rose_F223_Etik_NM_C_refDas Bandol hebt sich von der Provence, wie keine Appellation, in einer anderen Weinbauregion, ab. Die Appellation ist im Gegensatz zur restlichen Provence vor allem für ihre kräftigen Rotweine bekannt. Die lediglich 1.400 Hektar große Appellation zieht sich um den gleichnamigen Badeort an der Côte d’Azur und profitiert wie die restliche Provence extrem von dem mediterranen Klima. Die Rotweine werden dominiert von der Rebsorte Mourvèdre, die mit mindestens 50% den Ton, in den Cuvées angibt. Weiters, spielen Grenache, Cinsault und Syrah eine Rolle. Die Weinberge haben hier einen besonders hohen Kalkanteil und sind nach Süden geneigt. Die Rotweine werden für mindestens 18 Monate in Holzfässern ausgebaut, wodurch sich das kräftige Tannin in den Wein integrieren kann. Auch Weißweine genießen hier einen hohen Stellenwert. Diese werden vor allem aus den Rebsorten Bourboulenc, Clairette und Ugni Blanc gekeltert. Im Gegensatz zu den restlichen provenzalischen Weinen fallen aber auch diese eher kräftig aus und ähneln eher jenen aus dem südlichen Rhône-Tal. Natürlich wird auch hier Rosé erzeugt, wobei dieser nur einen geringen Prozentsatz darstellt. Alle Weine zeichnen sich mit einer tollen Lagerfähigkeit aus und sind etwas kräftiger als jene aus der restlichen Provence. Auch beim Etikett unterscheidet sich das Bandol von der restlichen Provence, da es hier eher klassisch gehalten ist und die meisten Weine in einer Bordeaux-Flasche abgefüllt sind.

Weitere Appellationen in der Provence

Mit Coteaux Varois, Coteaux d’Aix en Provence und Luberon gibt es in der Region drei weitere Appellationen für Roséwein, welche sich erst vor kurzer Zeit von der Côtes de Provence abgespaltet haben. Diese drei Appellationen erzeugen ebenso sehr klassische Weine der Region, wobei sie sehr fruchtdominiert sind.

Appellationen in Korsika

ClosCanarelli-Amphora-R_F927_Macro_2013NM_C_refIn Korsika wird auf nahezu der ganzen Insel Weinbau betrieben. Dabei gibt es eine Überkategorie, den Vin de Corse, welche als französischer Qualitätswein eingestuft ist und bereits sehr strenge Auflagen erfährt. So muss ein Rotwein aus mindestens 30% Nielluccio und Sciacarello hergestellt werden. Auch der Grenache spielt hier eine wichtige Rolle und muss in der Cuvée enthalten sein. Bei den Weißweinen müssen mindestens 75% Vermentino enthalten sein, wobei sonst nur Ugni Blanc zugelassen ist.

Figari

Die Weinregion Figari ist das südlichste Weinbaugebiet Frankreichs und liegt daher ganz im Süden der Insel. Hier sind angeblich auch die ersten Reben auf Korsika gepflanzt worden. Heute umfasst die Appellation lediglich 110 Hektar, jedoch produzieren diese die hochwertigsten Weine der Insel. Sowohl die Rotweine, als auch die Weißweine sind sehr kräftig und versprühen bereits ein Gefühl von Urlaub und Meer am Gaumen.

Andere Appellationen in Korsika

Aufgrund der nahezu idealen Weinbaubedingungen auf der ganzen Insel, werden überall sehr elegante Weine erzeugt. Viele von ihnen sind lediglich als „Vin de France“ deklariert, da sie oft aus autochthonen Rebsorten, wie etwa Sciaccarellu, Montaneccia, oder Aleatico, bei Rotweinen, sowie Bianco Gentile, Brustiano, oder Genovese, bei Weißweinen verwendet werden.

Bei den Appellationen muss auf jeden Fall Patrimonio erwähnt werden. Es war das erste AOC Gebiet der Insel und produziert heute noch die meisten AOCWeine Korsikas. Auch sehr bekannt ist Coteaux du Cap Corse, welche für ihren süßen Muscat bekannt ist.

Drei besondere Weine aus dem Süden Frankreichs

Domaine Comte Abbatucci : Diplomate d’Empire 2013

F917_2012NM_cDas biodynamische Weingut ist eines der fortschrittlichsten aus Korsika, wobei die Weine meist nur als Vin de France klassifiziert sind. Der Wein stammt aus den Rebsorten Vermentino, Brustiano, Bianco Gentile, Genovese und Rossola Bianca, allesamt typische Rebsorten aus Korsika. Die Reben wachsen dort auf Granitfelsen und kalkhaltigen Schotter, wobei die Weinberge alle nach Norden oder Nord-Osten ausgerichtet sind. Die Biodynamie spielt hier eine essentielle Rolle, da die Reben so auch bei schwierigen klimatischen Verhältnissen qualitativ hochwertige Trauben erzeugen können. Nach der händischen Lese wurden die Trauben schnell verarbeitet und für 24 bis 48 Stunden auf der Maische gepresst. Die Gärung und Lagerung fand dann in 600 Liter-Fässern statt.

Diese Cuvée zeigt im Glas bereits ein helles goldgelb. In der Nase versprüht der Wein Aromen von gelben Früchten und feiner Exotik. Die harmonischen Fruchtnoten sind dabei wunderbar eingebunden und von aromatischen Gewürzen hinterlegt. Am Gaumen ist der Wein ungemein frisch, aber trotzdem sehr elegant und rund. Der Abgang ist wunderbar ausgeglichen und endet mit einer langen, aromatischen Fruchtnote.

Diplomate d’Empire 2013

Château Sainte Roseline : Château Sainte Roseline 2016

F1286_2016NM_cDer Wein wird jedes Jahr nur in sehr limitierter Auflage produziert und stammt aus den besten Parzellen des Château Sainte Roseline. Die Böden sind dort besonders geprägt von Sandstein und Lehm, wobei auch das Mittelmeer eine große Rolle spielt und den Reben dieses ideale Klima beschert. Die Reben wachsen dort sehr naturnah und wurden dort bereits Ende August bis Mitte September gelesen, wobei eine schnelle Weiterverarbeitung, um Oxidation zu vermeiden, besonders wichtig war. Die Maische wurde dann für 8 Tage kühl ausgelaugt, danach wurde nur noch der Most weitervergoren, um so einen frischen, aber dennoch komplexen Wein zu erhalten.

Im Glas zeigt sich der Chateau Roseline 2016 Cru Classé in einem hellen lachsrosa. Die Cuvée aus Grenache, Mourvèdre, Syrah und Tibouren glänzt in der Nase mit Aromen von blumigen und einer würzigen Note. Am Gaumen ist der Wein geprägt von einer eleganten Balance aus Frische und Kraft. Dieser Rosé passt somit ideal zu Fisch, oder einem Meeresfrüchtesalat.

Château Sainte Roseline 2016

Château Vannières 2010

F220_2013NM_cDas Château Vannières ist eines der Aushängeschilder des Bandol und glänzt immer mit seiner Verlässlichkeit. Die Trauben für diesen Wein wurden ausschließlich händisch gelesen und danach in kleinen Kisten auf das Weingut gebracht. Danach wurden die Trauben für 30 bis 35 Tage eingemaischt, um dabei eine volle Auslaugung zu erreichen. Folgend wurde der Wein für rund 22 Monate in französischen Eichenfässern gelagert.

Im Glas zeigt der Château Vannières 2010 ein feines rubinrot, mit purpurnen Reflexen. In der Nase duftet der Wein nach roten Beeren, Cassis und etwas Heidelbeeren. Am Gaumen zeigt sich dieser Bandol, aus dem hervorragenden Jahr 2010 mit einer tollen Würze, hinterlegt von eleganten Noten frischer Beeren. Dieser Wein passt ideal zu Lamm, Entenbrust, oder auch gebratenen Pilzen mit Rindersteak.

Château Vannières 2010

 

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Über Peter Prisching

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